Damned to tell the truth
Homer nannte sie so schön, dass sie Aphrodite Konkurrenz machte; doch keine schöne Frau in der Mythologie hatte je ein glückliches Ende. Es war jedoch nicht Aphrodite, die sie im Zorn strafte, sondern die Liebe eines Gottes: Apollon, Gott der Prophezeiungen.
Kassandra wurde als Zwilling geboren; ihr Bruder Helenos nur wenige Minuten nach ihr. Es war schon im Kindesalter, als Kassandra wusste, dass sie anders war. Immer still, immer eigenbrötlerisch, und immer ein wenig... merkwürdig.
Kassandra hörte den Ruf Apollons und ließ sich als eine seiner Priesterinnen weihen, um dem Gott fortan zu dienen.
Wenig wusste sie, was sie damit heraufbeschworen hatte.
Apollon, verliebt die in die junge Frau, schenkte ihr die Gabe der Voraussicht, in der Hoffnung, dass sie sich ihm hingibt, doch Kassandra weigerte sich. Wieso wusste sie in diesem Augenblick selbst nicht. Vielleicht war es die plötzliche Furcht von dem, wovor alle Frauen sie gewarnt hatten, vielleicht war es auch die Angst, beschmutzt zu werden und dem Gott trotz dessen, dass er sie verführen wollte, nicht mehr würdig zu sein.
Doch Apollon konnte ihr die Gabe nicht mehr nehmen, und stattdessen verfluchte er sie, dass niemand ihren Aussagen mehr Glauben schenken würde... und verließ sie, trotz ihres Flehens und der Gebete.
Kassandra brachte Helenos das Weissagen bei, in der Hoffnung, dass man wenigstens ihm glauben würde... doch waren seine Visionen nicht die von Leid und Zerstörung, die seine Zwillingsschwester plagten.
Ihr lange totgeglaubter Bruder Paris war nach Troja zurückgekehrt und in der Wiedersehensfreude schickten sie ihn nach Sparta um zu verhandeln - und er brachte die Königin von Sparta, Helena, mit sich.
Kassandra wusste sofort, was dies bedeutete - der Bruder brachte die Fackel mit sich, die Troja in Brand stecken sollte. Vergeblich warnte Kassandra, die Spartanerin wieder zurückzuschicken, doch der Stolz Trojas ließ es nicht zu... und so begann der Untergang.
Über das Jahrzehnt hinweg, über das sich der Krieg ziehen sollte, wurde Kassandra klar, was Apollons Fluch bedeutete. Immer warnte sie vergeblich vor dem Tod und Zerstörung, und nach und nach fielen ihre Brüder.
Und als die Griechen doch scheinbar abzogen und nur ein hölzernes Pferd als Opfergabe an Poseidon für die sichere Heimfahrt hinterließen, waren es Kassandra und Laokoon die vor der List warnten. Laokoon wurde mit seinen Söhnen getötet, aber die Götter sahen Kassandra wohl nicht als Gefahr an, da man ihr ohnehin nicht glaubte. Immerhin hielten die Trojaner sie selbst auf, als sie mit Fackel und Axt das Pferd zerlegen wollte. Kassandra war doch wahnsinnig.
Und in der Nacht, als alles siegestrunken schliefen, brachen die Griechen aus und die Stadt kam zu Fall. Kassandra hatte sich in den Tempel der Athene geflüchtet und flehte die Göttin um Schutz an, doch Ajax der Lokrer verging sich an ihr und beschwor damit den Zorn der Göttin herauf. Doch es war für Kassandra kaum von Trost, denn Agamemnon beanspruchte sie als Sklavin und Konkubine, und brachte sie nach Mykene.
Kassandra sagte ihm, dass er sterben würde. Kassandra sagte ihm, dass sie ebenso sterben würde. Doch warum sollte Agamemnon einer Frau wie ihr glauben?
Und in Mykene, ehe sie wissentlich in den Tod ging und Klytaimnestra sie tötete, sah sie noch ein letztes Mal auf zu ihrem Apollon, ihrem Zerstörer.
_________
Die junge Frau mit wirrem Haar, die einen Dialekt sprach, den man nicht erkannte, konnte nicht einmal ihren Namen nennen. Ein Bauer hatte sie in einem Feld unweit von Mykene gefunden und sie mit zu seiner Frau und seiner Tochter genommen, damit sie sie versorgen konnten. Wahrscheinlich nur eine Verrückte, die man ausgesetzt hatte, doch sie empfanden Mitleid mit ihr und halfen ihr zumindest so weit, dass sie wieder selbstständig auf den Beinen stehen konnte.
Woher sie kam, konnte sie ihnen nicht sagen. Ebenso wenig, wie lange sie dort gelegen hatte oder weshalb sie überhaupt noch lebte. Sie erinnerte sich weder an eine Familie noch an eine Heimat, und selbst ihr eigener Name lag außerhalb ihrer Reichweite. Nur manchmal kamen Bilder. Feuer. Eine Stadtmauer. Das Meer unter einem roten Himmel. Ein Pferd, das keines war. Männer, deren Gesichter sie nicht kannte und um deren Tod sie dennoch trauerte.
Was die drei Narben unter der linken Brust bedeuten, weiß niemand genau, die junge Frau vor allem nicht. Sie sehen alt und verheilt aus, obwohl sie sich nicht daran erinnern kann, jemals verletzt worden zu sein. Manchmal schmerzen sie. Besonders dann, wenn sie träumt.
Vielleicht war es deshalb leichter, einen neuen Namen anzunehmen, als nach dem alten zu suchen.
_________
— Kassandra besitzt kaum bewusste Erinnerungen an ihr früheres Leben. Ihre Vergangenheit zeigt sich eher in körperlichen Reaktionen und Instinkten. Ein bestimmter Geruch macht ihr plötzlich übel, bei Pferden wird sie unruhig, ohne zu verstehen weshalb. Tempel geben ihr gleichzeitig ein Gefühl von Sicherheit und eine unerklärliche Beklemmung. Der Klang einer Sprache, die sie eigentlich nicht kennen dürfte, fühlt sich vertrauter an als die Sprache, die sie heute spricht. Sie lernt das Griechisch, das im 4. Jahrhundert gesprochen wird, langsam, und es fällt ihr schwer, sich auszudrücken.
— Namen können Trauer, Zorn oder Zuneigung hervorrufen, lange bevor sie sich daran erinnert, wem sie gehörten. Manche Namen sind vielleicht gängiger, vielleicht aber auch die Namen von Göttern... oder wenn jemand auf die Idee kommt, Homer zu singen.
— Die Visionen waren früher klar: Kassandra hat die Schiffe in der Bucht gesehen, ehe sie da waren. Sie hat Troja brennen sehen. Heute sind die Visionen Fragmente; und Kassandra weiß nicht, ob es Visionen, Erinnerungen oder Alpträume sind.
— Ich möchte damit an ein Konzept anknüpfen, ohne es direkt so... zu spielen, sondern es vor allem thematisch zu behandeln. :D Was ist, wenn sich durch ihren Tod ihre Gabe so fragmentiert hat, dass das direkte Raum-Zeit-Kontinuum infrage kommt, und sie eben Visionen und Voraussicht als Erinnerungen sieht. Überlagerungen, Fetzen und alles kommen durcheinander. Gerade für's Inplay ist das interessant, weil da ja auch dieses Allwissende schlecht gespielt werden kann.
— Natürlich glaubt man einer Wahnsinnigen nicht. Apollons Fluch vergeht nicht so einfach. Es braucht aber nicht einmal einen übernatürlichen Fluch, damit man Kassandra als verrückt ansehen würde. Sie redet von Feuern!
— Als Anknüpfungspunkte bestehen natürlich die Charaktere, die am Trojanischen Krieg teilgenommen haben, Götter und Heroen! Ich habe es mir bei Kassandra so gedacht, dass Erinnerungen mit Visionen einhergehen und die Zusammenkunft triggert, aber eben ohne, dass sie weiß, was und warum so passiert.
Spannend fände ich es auch, wenn Kassandra in einem Tempel nach einer Antwort sucht, egal welche Götter! — Vielleicht wird ihr anscheinender Wahnsinn von anderen Sterblichen als Zeichen gedeutet, und dadurch bei Göttern um Antworten sucht... nicht unbedingt bei den Richtigen.
— Irgendwann wird es sie nach Ilion ziehen. Sie braucht Mitreisende. Und was ist besser als die, die Gegend eh kennen? Trojanischer Krieg 2.0 Electric Boogaloo!
Das waren mal meine groben Ideen und ich freue mich über jede Art von Anschluss <3
Kassandra wurde als Zwilling geboren; ihr Bruder Helenos nur wenige Minuten nach ihr. Es war schon im Kindesalter, als Kassandra wusste, dass sie anders war. Immer still, immer eigenbrötlerisch, und immer ein wenig... merkwürdig.
Kassandra hörte den Ruf Apollons und ließ sich als eine seiner Priesterinnen weihen, um dem Gott fortan zu dienen.
Wenig wusste sie, was sie damit heraufbeschworen hatte.
Apollon, verliebt die in die junge Frau, schenkte ihr die Gabe der Voraussicht, in der Hoffnung, dass sie sich ihm hingibt, doch Kassandra weigerte sich. Wieso wusste sie in diesem Augenblick selbst nicht. Vielleicht war es die plötzliche Furcht von dem, wovor alle Frauen sie gewarnt hatten, vielleicht war es auch die Angst, beschmutzt zu werden und dem Gott trotz dessen, dass er sie verführen wollte, nicht mehr würdig zu sein.
Doch Apollon konnte ihr die Gabe nicht mehr nehmen, und stattdessen verfluchte er sie, dass niemand ihren Aussagen mehr Glauben schenken würde... und verließ sie, trotz ihres Flehens und der Gebete.
Kassandra brachte Helenos das Weissagen bei, in der Hoffnung, dass man wenigstens ihm glauben würde... doch waren seine Visionen nicht die von Leid und Zerstörung, die seine Zwillingsschwester plagten.
Ihr lange totgeglaubter Bruder Paris war nach Troja zurückgekehrt und in der Wiedersehensfreude schickten sie ihn nach Sparta um zu verhandeln - und er brachte die Königin von Sparta, Helena, mit sich.
Kassandra wusste sofort, was dies bedeutete - der Bruder brachte die Fackel mit sich, die Troja in Brand stecken sollte. Vergeblich warnte Kassandra, die Spartanerin wieder zurückzuschicken, doch der Stolz Trojas ließ es nicht zu... und so begann der Untergang.
Über das Jahrzehnt hinweg, über das sich der Krieg ziehen sollte, wurde Kassandra klar, was Apollons Fluch bedeutete. Immer warnte sie vergeblich vor dem Tod und Zerstörung, und nach und nach fielen ihre Brüder.
Und als die Griechen doch scheinbar abzogen und nur ein hölzernes Pferd als Opfergabe an Poseidon für die sichere Heimfahrt hinterließen, waren es Kassandra und Laokoon die vor der List warnten. Laokoon wurde mit seinen Söhnen getötet, aber die Götter sahen Kassandra wohl nicht als Gefahr an, da man ihr ohnehin nicht glaubte. Immerhin hielten die Trojaner sie selbst auf, als sie mit Fackel und Axt das Pferd zerlegen wollte. Kassandra war doch wahnsinnig.
Und in der Nacht, als alles siegestrunken schliefen, brachen die Griechen aus und die Stadt kam zu Fall. Kassandra hatte sich in den Tempel der Athene geflüchtet und flehte die Göttin um Schutz an, doch Ajax der Lokrer verging sich an ihr und beschwor damit den Zorn der Göttin herauf. Doch es war für Kassandra kaum von Trost, denn Agamemnon beanspruchte sie als Sklavin und Konkubine, und brachte sie nach Mykene.
Kassandra sagte ihm, dass er sterben würde. Kassandra sagte ihm, dass sie ebenso sterben würde. Doch warum sollte Agamemnon einer Frau wie ihr glauben?
Und in Mykene, ehe sie wissentlich in den Tod ging und Klytaimnestra sie tötete, sah sie noch ein letztes Mal auf zu ihrem Apollon, ihrem Zerstörer.
Die junge Frau mit wirrem Haar, die einen Dialekt sprach, den man nicht erkannte, konnte nicht einmal ihren Namen nennen. Ein Bauer hatte sie in einem Feld unweit von Mykene gefunden und sie mit zu seiner Frau und seiner Tochter genommen, damit sie sie versorgen konnten. Wahrscheinlich nur eine Verrückte, die man ausgesetzt hatte, doch sie empfanden Mitleid mit ihr und halfen ihr zumindest so weit, dass sie wieder selbstständig auf den Beinen stehen konnte.
Woher sie kam, konnte sie ihnen nicht sagen. Ebenso wenig, wie lange sie dort gelegen hatte oder weshalb sie überhaupt noch lebte. Sie erinnerte sich weder an eine Familie noch an eine Heimat, und selbst ihr eigener Name lag außerhalb ihrer Reichweite. Nur manchmal kamen Bilder. Feuer. Eine Stadtmauer. Das Meer unter einem roten Himmel. Ein Pferd, das keines war. Männer, deren Gesichter sie nicht kannte und um deren Tod sie dennoch trauerte.
Was die drei Narben unter der linken Brust bedeuten, weiß niemand genau, die junge Frau vor allem nicht. Sie sehen alt und verheilt aus, obwohl sie sich nicht daran erinnern kann, jemals verletzt worden zu sein. Manchmal schmerzen sie. Besonders dann, wenn sie träumt.
Vielleicht war es deshalb leichter, einen neuen Namen anzunehmen, als nach dem alten zu suchen.
— Kassandra besitzt kaum bewusste Erinnerungen an ihr früheres Leben. Ihre Vergangenheit zeigt sich eher in körperlichen Reaktionen und Instinkten. Ein bestimmter Geruch macht ihr plötzlich übel, bei Pferden wird sie unruhig, ohne zu verstehen weshalb. Tempel geben ihr gleichzeitig ein Gefühl von Sicherheit und eine unerklärliche Beklemmung. Der Klang einer Sprache, die sie eigentlich nicht kennen dürfte, fühlt sich vertrauter an als die Sprache, die sie heute spricht. Sie lernt das Griechisch, das im 4. Jahrhundert gesprochen wird, langsam, und es fällt ihr schwer, sich auszudrücken.
— Namen können Trauer, Zorn oder Zuneigung hervorrufen, lange bevor sie sich daran erinnert, wem sie gehörten. Manche Namen sind vielleicht gängiger, vielleicht aber auch die Namen von Göttern... oder wenn jemand auf die Idee kommt, Homer zu singen.
— Die Visionen waren früher klar: Kassandra hat die Schiffe in der Bucht gesehen, ehe sie da waren. Sie hat Troja brennen sehen. Heute sind die Visionen Fragmente; und Kassandra weiß nicht, ob es Visionen, Erinnerungen oder Alpträume sind.
— Ich möchte damit an ein Konzept anknüpfen, ohne es direkt so... zu spielen, sondern es vor allem thematisch zu behandeln. :D Was ist, wenn sich durch ihren Tod ihre Gabe so fragmentiert hat, dass das direkte Raum-Zeit-Kontinuum infrage kommt, und sie eben Visionen und Voraussicht als Erinnerungen sieht. Überlagerungen, Fetzen und alles kommen durcheinander. Gerade für's Inplay ist das interessant, weil da ja auch dieses Allwissende schlecht gespielt werden kann.
— Natürlich glaubt man einer Wahnsinnigen nicht. Apollons Fluch vergeht nicht so einfach. Es braucht aber nicht einmal einen übernatürlichen Fluch, damit man Kassandra als verrückt ansehen würde. Sie redet von Feuern!
— Als Anknüpfungspunkte bestehen natürlich die Charaktere, die am Trojanischen Krieg teilgenommen haben, Götter und Heroen! Ich habe es mir bei Kassandra so gedacht, dass Erinnerungen mit Visionen einhergehen und die Zusammenkunft triggert, aber eben ohne, dass sie weiß, was und warum so passiert.
Spannend fände ich es auch, wenn Kassandra in einem Tempel nach einer Antwort sucht, egal welche Götter! — Vielleicht wird ihr anscheinender Wahnsinn von anderen Sterblichen als Zeichen gedeutet, und dadurch bei Göttern um Antworten sucht... nicht unbedingt bei den Richtigen.
— Irgendwann wird es sie nach Ilion ziehen. Sie braucht Mitreisende. Und was ist besser als die, die Gegend eh kennen? Trojanischer Krieg 2.0 Electric Boogaloo!
Das waren mal meine groben Ideen und ich freue mich über jede Art von Anschluss <3




